Sammlung soll in gute Hände kommen

Schenkung von rund 2000 Objekten an die Stadt Lebach

Der Lebacher Fossiliensammler Egon Groß hat über Jahrzehnte hinweg in mühevoller Kleinstarbeit eine Sammlung mit paläontologischen* Funden zusammengetragen: versteinerte Fossilien, verkieselte Hölzer und fast 2000 Lebacher Eier. Jedes für sich ein Unikat.
Die kugelförmigen Erzkonkretionen waren eine besonders wichtige Grundlage der saarländischen Eisenindustrie und Zeugnisse einer längst vergangenen Zeit. Vor 290 Millionen Jahren existierte in der Region, in der heute die Stadt Lebach liegt, ein Süßwassersee, der im tropischen Klima des Erdaltertums im Bereich von Rümmelbach seine tiefste Stelle hatte. „Es war eine Art Oase inmitten einer Wüste“, erklärt der Archäologe Dr. Eric Glansdorp. Einige der Fossilien sind sogar nach Lebach benannt worden, so der Süßwasserhai Lebachacanthus oder das frühe Nadelholz Lebachia. Der einzigartigen Kombination aus hohen Temperaturen und gelösten Eisenmineralien im Süßwassersee mit seinen Lebewesen ist es zu verdanken, dass sich Versteinerungen der damaligen Tier- und Pflanzenwelt bis heute erhalten haben. Auch die Lebacher Eier sind Zeugnisse unendlich weit zurückliegender Vorgänge in der Geschichte der Erde. Um 1970 hat Egon Groß damit begonnen, sich mit den Lebacher Eiern zu beschäftigen. „Steine haben mich schon immer interessiert“, erklärt er. Sein Freund Hans Backes aus Bergweiler habe ihm damals die Mineralogie erklärt und war sein Mentor. Zu dieser Zeit nutzte Groß die Möglichkeit und flog mit einem kleinen Flugzeug über die Schotten, den ehemaligen Erztagebau bei Gresaubach und Rümmelbach. Hinter dem Reiterhof auf einem Acker entdeckte er nach dem Pflügen einen schwarzen Fleck. Unter diesem Schiefergestein vermutete er Lebacher Eier. Er hatte Recht! 20 Jahre lang wertete er diese Fundstelle aus. Rund ein Hektar groß war die Fläche, in der er immer wieder neue Lebacher Eier und andere versteinerte Zeugnisse der Erdgeschichte gefunden hat. Das ist nun fast 50 Jahre her.
In der vergangenen Woche hat Egon Groß seine komplette Sammlung der Stadt Lebach geschenkt. „Sie soll in gute Hände kommen“, das ist ihm wichtig. „Im Rathaus ist sie der Öffentlichkeit zugänglich und wird für die nächsten Generationen erhalten.“  
Bürgermeister Klauspeter Brill bedankte sich sowohl bei Egon Groß als auch bei dem Archäologen-Ehepaaar Drs. Eric und Edith Glansdorp, denn sie haben die Sammlung katalogisiert: „Wir sind froh und stolz, dass wir eine solche Sammlung geschenkt bekommen. Sie dokumentiert einen wichtigen Teil der saarländischen Geologie. Ein Teil der Sammlung ist bereits seit 2016 im Foyer des Lebacher Rathauses ausgestellt und in Vitrinen zu sehen. Fotos, Detailvergrößerungen und Tafeln mit viel Wissenswertem informieren über die Hintergründe, über die tropische Vergangenheit Lebach und die Geschichte der Erde. Die Bürger können die Ausstellung während der Öffnungszeiten besuchen. Durch die Schenkung besteht nun auch die Möglichkeit, die Exponate in den Vitrinen auszutauschen und die Ausstellung als Wanderausstellung auf die Reise zu schicken. Bei Interesse können wir auch gerne einen Rundgang für Schulen organisieren. Denn wir möchten die Arbeit von Egon Groß in seinem Sinne weiterführen und auch junge Menschen für die „Lebacher Eier“ begeistern.“

(* Paläontologie = Wissenschaft von den Lebewesen und Lebewelten der geologischen Vergangenheit.)